Tapes heißen die bunten Klebebänder, mit denen nicht nur der Bewegungsapparat, innere Organe sowie der Lymph- und Blutfluss auf Trab gebracht werden, sondern auch die Seele. Längst haben Kinesio-Tapes Eingang in die Praxen von Physiotherapeuten und anderen Fachleuten gefunden, um heilende Prozesse zu fördern und Schmerzen zu lindern. Im Spitzen-Sport ist Taping zuerst angekommen, wo es auch eine vorbeugende Wirkung erfüllt. Doch was ist Taping, warum sind die Tapes bunt, was bewirken die flexiblen Bänder, wie werden sie angelegt und können sie auch für Tiere verwendet werden?

Dr. Kenzo Kase als Entdecker des Kinesio-Taping

Verbände zur Versorgung von Verletzungen gibt es seit langer Zeit. Schon die alten Griechen und die Ägypter verwendeten Verbände, um Verletzungen des Bewegungsapparates, der Sehnen und Bänder ruhig zu stellen. Allerdings waren diese früher starr, sie schränkten die Bewegungsfreiheit ein und behinderten so den eigentlichen Heilungsprozess. Die starren Verbände und die eingeschränkte Muskeltätigkeit unterbanden außerdem den Lymphfluss sowie die Blutzirkulation, was zusätzliche Beschwerden verursachen konnte.

Vorläufer der modernen elastischen Tapes waren die Guttapercha-Pflaster des Apothekers Paul Carl Beiersdorf am Ende des 19. Jahrhunderts. Später erfand er eine Kombination aus Mull und Guttapercha, woraus er die Guttaplaste entwickelte. Kinesio-Tapes gibt es erste seit Ende der 1970er Jahre. Erfunden hat sie der japanische Chiropraktiker Dr. Kenzo Kase. „Kinesio“ ist altgriechisch und heißt übersetzt „Bewegung“, während der englische Ausdruck „Tape“ mit Band übersetzt wird. Dr. Kenzo Kase suchte nach einem Weg, Schmerzen ohne Medikamente zu lindern. Die Idee hinter seiner Erfindung ist, Muskeln, Sehnen, Bänder, Nerven und Gelenke über die Haut positiv zu beeinflussen. Um dieses Ziel zu erreichen, mussten die Muskeln ihre Aktivität beibehalten können ebenso wie der Lymphfluss und die Blutzirkulation.

Grund für seine Forschungen war, dass er bei seinen Patienten immer wieder negative Reaktionen bezüglich seiner chiropraktischen Behandlungsmethoden feststellte. So suchte er nach Möglichkeiten, unerwünschte Wirkungen zu unterbinden und die Muskulatur sowie das Lymphsystem in die Behandlung mit einzubinden. Nach vielen praktischen Versuchen und viel Forschungsarbeit entwickelt Kase seine eigene Methode, das Kinesio-Taping. Das moderne elastische Taping war geboren und unterschied sich von den bisherigen Methoden durch den Grundgedanken, dass Bewegung in den Gelenken und Aktivität in den Muskeln entgegen der bisherigen Auffassung positiv zur Heilung beitragen. Kase entwickelte zunächst hautfarbene Tapes, die er an Sumoringern testete. Er wählte sie aus, weil sie ein besonders hohes Verletzungspotenzial haben. Erst Ende der 1990er Jahren schwappte dann diese Idee über die Vereinigten Staaten nach Europa, wo die Tapes im Leistungssport an Bedeutung gewannen. Heutzutage haben sich Tapes nicht nur als Behandlungsmethode fest etabliert, sie sind auch von Ärzten und Therapeuten weiter entwickelt worden.

Kinesio-Tape: Wie eine zweite Haut

Kinesio-Tapes haben bestimmte Eigenschaften, die sie von starren Verbänden unterscheiden. Sie sind hochelastisch, atmungsaktiv und hautfreundlich. Aufgrund dieser Beschaffenheit machen sie jede Bewegung mit. Kinesio-Tapes dehnen sich in alle Richtungen und ziehen sich wieder zusammen. Auch wenn sie eine stabilisierende Funktion auf die gewünschte Körperpartie ausüben, schränken sie die Bewegungsfreiheit nicht ein. Für die heute verwendeten Kinesio-Tapes und ihre Eigenschaften stand die menschliche Haut Pate. Das gilt sowohl für die Dehnbarkeit als auch bezüglich der Dicke und des Gewichtes der Tapes. Die Ähnlichkeit mit der Hautbeschaffenheit ist auch der Grund, weshalb ein Tape nicht als einschränkend empfunden wird. Das verwendete Material ist ein dehnbarer Baumwollstoff, der aus sehr hochwertigen Fasern gefertigt ist und in den elastische Fasern gewebt wurden. Die Klebeschicht von Tapes ist allergenfrei. Auch Latex wird nicht verwendet, da es sich um einen Stoff handelt, der allergische Hautreaktionen auslösen kann. Die eigentliche Klebewirkung von Kinesio-Tapes entfaltet sich mit dem Anbringen durch die Körperwärme. Richtig angebracht hält die klebende Wirkung sieben Tage und wird selbst durch Duschen nicht in Mitleidenschaft gezogen. Es ist die Beschaffenheit der Tapes sowie die besondere Art des Anbringens auf der Haut, die ausgewählte Körperpartien positiv beeinflussen. Spezielle Gewebemuster ermöglichen, dass die Haut atmen kann.

Basiswissen für das Anlegen von Kinesio-Tapes

Kinesio-Tapes anlegen ist nicht kompliziert. Allerdings sollten Sie einige Punkte beachten. Sie beziehen sich auf die Anwendung selbst, auf die vorbereitenden Maßnahmen, die Dauer, die Anlegetechnik und darauf, wie Sie ein Tape ablösen. In bestimmten Situationen sollten Sie auf das Tapen verzichten. Welche das sind, erfahren Sie ebenso wie die Kriterien, auf die Sie beim Kauf achten sollten.

  1. Vorbereitende Maßnahmen
      Vor dem Tapen gibt es einige vorbereitende Maßnahmen, die sich insbesondere auf die Vorbereitung der Haut konzentrieren. Die Haut sollte an der betreffenden Stelle sauber, trocken und fettfrei sein, um die Haltbarkeit und Stabilität des Tapes sicherzustellen. Reinigen Sie deshalb die Haut vorher mit einer milden Seife und einem Schwamm oder Waschlappen und trocknen Sie sie anschließend sorgfältig mit einem Handtuch ab. Auf das Eincremen der Haut sollten Sie verzichten, da eingecremte Haute ebenso wie fettige Haut die Haltbarkeit sowie die Stabilität beeinträchtigen. Haben Sie an der gewünschten Hautstelle stärkeren Haarwuchs, so ist es sinnvoll, die Haare zuvor zu entfernen. Dazu verwenden Sie eine Nagelschere, mit der Sie die Haare kürzen. Auf eine Rasur oder auf die Verwendung einer Enthaarungscreme sollten Sie verzichten. Eine Rasur kann feinste Hautverletzungen verursachen, während eine Enthaarungscreme Hautirritationen auslösen kann. Das könnte dazu führen, dass durch das Tapen die ohnehin schon angegriffene Haut noch mehr gereizt wird. Für das Schneiden des Tapes ist eine professionelle Schneiderschere das ideale Werkzeug. Sie verhindert, dass das Tapegewebe beim Schneiden ausfranst oder einreißt. Nicht immer ist es möglich, ein Tape allein anzubringen. Dann sichern Sie sich die Unterstützung eines anderen Menschen.
  2. Ein Tape anlegen
      Taping wird in mehreren Arbeitsschritten durchgeführt. Wenn Sie alle vorbereitenden Maßnahmen getroffen haben, die Schere, einen Stift und das zu Ihren Beschwerden passende Tape vorhanden sind, dann kann es losgehen. Taping beginnt mit dem Abmessen der passenden Länge. Dazu brauchen Sie kein Maßband. Stattdessen prüfen Sie die Länge durch Anlegen des Tapestreifens, ohne die Schutzfolie abzulösen. Haben Sie die passende Länge ermittelt, markieren Sie diese mit einem Stift oder durch Festhalten mit dem Finger. Schneiden Sie die passende Länge von der Rolle und runden Sie anschließend die Ecken ab. Das ist wichtig, um ein vorzeitiges Ablösen zu vermeiden. Beim Taping folgen Sie bitte der dem Tape beiliegenden Anleitung.
  3. Ein Tape ablösen
      Abhängig davon, wie intensiv das Tape noch auf der Haut haftet, kann es ein bisschen schmerzhaft werden. Auf gar keinen Fall sollten Sie das Tape ruckartig von der Haut reißen. Das ist keine gute Idee, da es zu kleinen Hautverletzungen oder Irritationen kommen kann. Dabei geht es viel einfacher: Vor dem Ablösen durchnässen Sie das Tape mit Wasser, entweder am Waschbecken oder unter der Dusche. Lassen Sie die Feuchtigkeit einige Minuten einwirken. Anschließend lässt sich das Tape meist mühelos entfernen. Funktioniert das nicht, beträufeln Sie das Tape mit Hautöl, lassen es ebenfalls einige Zeit einwirken und ziehen Sie es dann vorsichtig unter fließendem Wasser ab. Das führt auf jeden Fall dazu, dass das Tape seine Klebewirkung verliert.
  4. Die Dauer der Anwendung
      Ein elastisches Tape kann bis zu sieben Tagen auf der Haut verbleiben. Ein Tape ist wasserbeständig, sodass Sie problemlos duschen können. Die Dauer der Therapie orientiert sich an der Art und der Intensität der Beschwerden. Taping kann auch bei sportlichen Aktivitäten stützend oder vorbeugend eingesetzt werden. Dann ist die Dauer der Anwendung auf die Dauer der sportlichen Aktivität begrenzt. Handelt es sich dagegen um langanhaltende Beschwerden, dann wird das Tape nach jeweils einer Woche immer wieder erneuert. Dies geschieht so lange, bis die Beschwerden abgeklungen sind. Bei chronischen Schmerzzuständen oder bei anderen längerfristigen Beschwerden kann das Taping über mehrere Monate fortgeführt werden.
  5. Wann Sie auf Taping verzichten sollten
      Bei plötzlich einsetzenden Schmerzen oder bei Schmerzen, die anhaltend intensiv sind, sollten Sie unbedingt einen Arzt aufsuchen, um die Ursache der Beschwerden abzuklären. Bitte bedenken Sie, dass der menschliche Körper ein sehr komplexes System ist und sich zum Beispiel Organbeschwerden auch in Form von Gelenk- oder Muskelbeschwerden äußern können. Das gilt zum Beispiel für einen Herzinfarkt, für einen Schlaganfall oder für eine Gallenkolik, die sich vorab auf andere Weise körperlich ankündigen können. Taping sollte Sie nicht dazu veranlassen, auf einen Arztbesuch zu verzichten. Stattdessen sollte dem Taping eine intensive Ursachenforschung vorausgehen ebenso wie eine medizinische Untersuchung und eine saubere Diagnostik. Wenn die Diagnose steht, können Sie zusätzlich zur ärztlichen Therapie das Taping unterstützend einsetzen.

Vereinzelt kann es bei der Verwendung von Kinesio-Tapes zu Nebenwirkungen in Form von Hautreaktionen kommen, zum Beispiel zu Hautjucken oder Rötungen. Sofern Sie bereits eine Allergie haben oder zu Allergien neigen, sollten Sie vorab ein kleines Stück Tape in der Ellenbeuge anbringen. Nach einigen Stunden werden Sie sehen, ob Ihre Haut eine allergische Reaktion aufweist. In bestimmten Situationen sollten Sie auf Taping verzichten:

  • Ein Tape sollten Sie nicht an Hautstellen platzieren, an denen Sie gerade einen Sonnenbrand oder eine andere Hautirritation haben.
  • Werden Sie gerade über einen längeren Zeitraum mit Cortison behandelt, sollten Sie ebenfalls auf das Anbringen von Tapes verzichten.
  • Das gilt auch für offene Wunden, die nicht oder noch nicht von einem Arzt versorgt worden sind.
  • Auch bei akuten Gefäßerkrankungen, zum Beispiel einer Thrombose, sollten Sie keine Kinesio-Tapes verwenden.
  • Haben Sie einen Knochenbruch erlitten, der noch nicht vom Arzt versorgt worden ist, gilt ebenfalls die Regel: Hände weg vom Taping.
  • Auch bei Tumoren, bei Fieber, dessen Ursache nicht geklärt ist, sowie bei einer Pflasterallergie sollte Taping nicht angewandt werden.

Worauf Sie beim Kauf achten sollten

Es gibt bestimmte Kaufkriterien für Kinesio-Tapes, die Ihnen helfen, das passende Tape zu finden. Ein Kaufkriterium ist die Klebedauer eines Tapes, die eine Woche betragen sollte. Löst sich ein richtig angebrachtes Tape bereits nach einem Tag, dann erfüllt es ein entscheidendes Kriterium für die Wirksamkeit nicht. Eigentlich darf ein Tape erst nach einer Woche an Zug verlieren. Bis dahin sollte es eine stabilisierende und elastische Wirkung aufweisen. Allerdings werden Sie diese Wirkungsweise erst dann prüfen können, wenn Sie ein Tape gekauft haben. Im Internet gibt es Vergleichsmöglichkeiten zwischen den einzelnen Herstellern und Marken, die Auskunft geben über die durch Tests ermittelte Qualität und Wirkungsweise. Auf der Suche nach dem besten Tape können Sie Fachpersonal befragen, zum Beispiel Ihren Physiotherapeuten oder in der Apotheke. Kaufen können Sie Kinesiologie Tapes im Fachhandel, in Drogeriemärkten, in Apotheken sowie im Onlinehandel. Kinesio-Tapes unterscheiden sich in der Breite und der Länge sowie bezüglich der Farben. Die Breiten variieren zwischen 2,5 Zentimetern und 7,5 Zentimetern und werden in Rollen von ungefähr 5 Metern, aber auch als XXL-Rolle mit bis zu 50 Metern Länge angeboten. Mittlerweile gibt es mehr als 50 Anbieter und Hersteller auf dem Markt.

Alles ist auf einmal bunt – Die Bedeutung der Farben beim Kinesio Taping

Bei der Auswahl der Farbe können Sie Ihrer Intuition folgen. Tatsächlich greifen die meisten Menschen bei Entzündungen und Schwellungen zu Kinesio-Tapes in blauer Farbe, denn Blau wirkt kühlend. Wer unter Verspannungen und Verhärtungen leidet, wird zu rot greifen, das wärmend und weitend wirkt. Und es gibt Unterschiede zwischen Männern und Frauen. Männer favorisieren blaue und schwarze Tapes, während sich Frauen aus dem Bauch heraus für rote und rosafarbene Tapes entscheiden. Wer nicht ausschließlich seinem Bauchgefühl folgen möchte, für den sind die nachfolgenden Fakten richtungsweisend. Tapes gibt es in den Farben, rot, rosa, blau, violett, grün, orange, gelb, schwarz und beige. Die Farben sind ein Indikator für eine bestimmte Wirkungsweise auch in seelischer Hinsicht.

  • Rote und rosafarbene Tapes regen den Kreislauf an. Sie fördern die Durchblutung, da sie die Gefäße weit stellen und fördern die Energiezufuhr. Rote und rosafarbene Tapes entfalten Wärme, wirken stabilisierend und fördern den Appetit. Auf emotionaler Ebene wirken sie belebend bis aufregend. Sie wecken innere Kräfte, die bislang vor sich hin schlummern. Sie setzen Vitalität frei, wirken dynamisierend und steigern das Selbstwertgefühl.
  • Kinesio-Tapes in den Farben blau und violett entziehen Wärme, sie dämpfen und mindern die Durchblutung. Auf diese Weise entfalten sie eine entzündungshemmende Wirkung. Auf emotionaler Ebene wirken Tapes in blau und violett entspannend, beruhigend und harmonisierend. Sie regen die Intuition und die Fantasie an und fördern die Kommunikation sowie die Klarheit der Gedanken.
  • Grüne Kinesio-Tapes werden wegen ihrer harmonisierenden und ausgleichenden Wirkung bevorzugt für Organbereiche verwendet. Ebenso ist die emotionale Wirkung von grünen Kinesio-Tapes. Sie wirken regenerierend, erfrischend, fördern die innere Ruhe, stärken das Urteilsvermögen, die Sinne und die Konzentration, beruhigen und dämpfen Angst.
  • Sind Tapes gelb oder orange, regen sie den Stoffwechsel an und stärken die Nerven. Auf emotionaler Ebene wirken sie aufmunternd, fördern die Konzentration und die Lust am Lernen, unterstützen alle geistigen Tätigkeiten und bringen Sonne in Körper, Geist und Seele.
  • Schwarze Tapes werden bevorzugt von Sportlern angelegt, da schwarz eine neutrale Wirkung entfalten soll. Schwarze Tapes können auch über andersfarbige, bereits vorhandene Tapes geklebt werden mit der Folge, dass sie deren Wirkung intensivieren.
  • Beigefarbene Kinesio-Tapes haben eine neutrale Wirkung. Sie sind immer dann die richtige Wahl, wenn Sie sich unsicher sind, wie die Behandlung mit Tapes wirkt. Sie sind besonders schonend bei Nervenverletzungen und werden aufgrund ihrer unauffälligen Farbe gerne im Gesicht, im Halsbereich und in anderen, sichtbaren Körperregionen verwendet.

Die verschiedenen Tape-Formen

Abhängig von den Beschwerden, von dem zu behandelnden Körperteil und der verwendeten Anlegetechnik werden Tapes auf verschiedene Weise zugeschnitten. Eines haben die Techniken gemeinsam: Sie haben eine Basis, die beim Aufbringen zuerst angelegt wird, und sie bestehen aus einem Zügel oder mehreren Zügeln, die anschließend aufgeklebt werden. Die wichtigsten Tape-Formen sind diese:

  •  I-Tape
      Das I-Tape ist die am häufigste verwendete Form das Taping. Dabei schneiden Sie einfach ein Tape in der gewünschten Länge von der Rolle ab. Das I-Tape wird in seiner ursprünglichen Breite von meist fünf Zentimetern auf der Haut aufgebracht. Abhängig von der Körperpartie kann es erforderlich sein, das Tape der Länge nach zu teilen.
  •  Y-Tape
      Um ein Y-Tape zu erhalten, schneiden Sie ein I-Tape bis zur benötigten Länge in der Mitte ein. Während der eingeschnittene Teil zweigeteilt ist und als Zügel dient, bleibt der andere Teil in der ursprünglichen Breite erhalten.
  •  X-Tape
      Um ein X-Tape herzustellen, verwenden Sie ein I-Tape, das Sie in der Mitte falten. Beginnend an den Enden schneiden Sie das I-Tape bis auf fünf Zentimeter ein. Diese unbeschnittene Mitte ist die Basis, während die vier Zügel ohne Dehnung auf der Haut aufgebracht werden. Das X-Tape kann auch geformt werden durch zwei I-Tapes, die in X-Form übereinander geklebt werden.
  •  Fächer-Tape
      Das Fächer-Tape verdankt seinen Namen seiner fächerförmigen Form, an der Sie sich orientieren können. Dazu verwenden Sie ein Tape, das Sie der Länge nach in mindestens drei gleich lange und breite Streifen schneiden. Am Ende verbleibt die Basis, die eine Länge von vier bis fünf Zentimetern haben sollte. Die Fächerzügel werden ohne Dehnung entweder bogenförmig oder wellenförmig aufgeklebt. Handelt es sich um eine größere Fläche, können Sie auch zwei Fächertapes nebeneinander aufbringen.
  •  Netztape
      Das Netztape hat das Aussehen eines Netzes. Dazu falten Sie ein I-Tape der Länge nach in der Mitte. Anschließend schneiden Sie es vier Mal in gleichen Abständen von der gefalteten Mitte ausgehend ein. Einschneiden bedeutet, dass Sie das Tape nicht durchschneiden, sondern jeweils einen Rand stehen lassen, sodass die Enden geschlossen sind. Das Innere ist in fünf Streifen geteilt. Das Netztape wird unter anderem geklebt bei Ödemen, bei Schwellungen und bei Schleimbeutelentzündungen.
  •  Cross-Tape
      Cross-Tapes heißen auch Gitter-Tapes. Hier brauchen Sie nicht mit der Schere zu hantieren. Stattdessen gibt es Cross-Tapes in verschiedenen Größen fertig zu kaufen. Dabei handelt es sich um kleine, nicht elastische, gitterförmige und elektrostatisch aufgeladene Tapes aus Mischgewebe. Sie erfüllen zwei Funktionen, da sie Taping mit Akupunktur verbinden. Aus diesem Grund werden Cross-Tapes auf Akupunkturpunkte sowie auf Schmerz- und Triggerpunkte aufgelegt, die Einfluss auf Organe, auf Nerven und auf Muskeln haben. Werden Cross-Tapes auf Akupunkturpunkte aufgeklebt, setzen Sie punktuell tiefenwirksame Reize entlang der Meridiane. Das Tape setzt die Oberflächenspannung der Haut herab, wodurch die Energie wieder ins Fließen kommt. Cross-Tapes werden zum Beispiel bei Kopfschmerzen oder Atemwegserkrankungen verwendet.

Taping ist nicht allein auf diese Tape-Formen begrenzt. Es gibt noch mehr Varianten, die auch miteinander kombiniert werden können. Ebenso können Sie eine Tape-Form mehrmals auf der gewünschten Körperpartie aufkleben.

Verschiedene Anlegetechniken mit unterschiedlicher Wirkung

Entscheidend ist, dass Sie die Anlegetechnik verwenden, die jeweils indiziert ist. Abhängig von den Beschwerden gibt es nicht nur bestimmte Tape-Formen, sondern auch mehrere Anlegetechniken mit unterschiedlicher Wirkung. Die Haupttechniken sind die Muskeltechnik, die Lymphtechnik, die Faszien-, Space-, Ligament- und die Korrekturtechnik. Mit der Muskeltechnik lässt sich die Muskelspannung erhöhen oder senken, wobei es auf die Anlegerichtung ankommt. Mit der Lymphtechnik lässt sich der Lymphfluss verbessern und Blutergüsse sowie Gelenkschwellungen können schneller abheilen. Mit der Korrekturtechnik lassen sich Fehlstellungen korrigieren. Das gilt zum Beispiel für eine verschobene Kniescheibe ebenso wie für Fehlhaltungen der Wirbelsäule. Die sogenannte Ligamenttechnik wird bei Verletzungen und bei der Überdehnung von Sehnen und Bändern angewendet. Sie hilft außerdem, Sehnen und Bänder zu entlasten sowie Gelenke zu stabilisieren mit der Folge, dass Schmerzen gelindert, die Heilung beschleunigt und die Belastbarkeit verbessert werden kann. Die Faszientechnik hilft, verklebte Faszien und Muskeln zu lockern, während die Spacetechnik bei lokal begrenzten allgemeinen Schmerzen eingesetzt wird.

Beim Taping wird nicht nur zwischen verschiedenen Anlegetechniken, Anlegeformen und Farben unterschieden. Es kommt auch darauf an, ob mit Kinesio-Tapes Spannung aufgebaut oder abgebaut werden soll, wobei auch die Anlegerichtung über die Wirkung und die Intensität der Anwendung entscheidet. Es gilt der Grundsatz, dass ein Tape von seinem Ansatz ausgehend in Richtung seines Ursprungs angelegt werden soll. Auf eine Beschreibung der einzelnen Techniken wird an dieser Stelle bewusst verzichtet, da die Ausführung der verschiedenen Taping-Anlegetechniken spezieller Kenntnisse bedarf, damit sie ihre volle Wirkung entfalten.

Was alles getapt werden kann: Taping vom Kopf bis zu den Füßen

Taping ist eine Therapiemethode, die vor allem bei schmerzhaften Erkrankungen eingesetzt wird. Das gilt zum Beispiel für den Muskel-, Skelett- und Sehnenapparat sowie für schmerzhafte Entzündungen. Bei diesen und anderen Beschwerden kann das Kinesio-Tapen als Einzelmaßnahme oder in Verbindung mit einer anderen Therapie angewendet werden.

Tapes für den Bewegungsapparat

Das Tapen wirkt über die Muskeln bei Verspannungen, Muskelsteifigkeit und Überlastungsschmerzen, die unter anderem im unteren Rücken, im Nacken und in anderen Körperregionen auftreten können.

  • Auch Muskelverletzungen, zum Beispiel Muskelfaserrisse, können mit Kinesio-Tapes behandelt werden.
  • Umgekehrt wird Taping auch zur Stärkung von Muskeln eingesetzt. Davon profitieren vor allem Leistungssportler und Hobbysportler, die unter Verletzungen durch Zerrungen, Verstauchungen und Prellungen leiden.
  • Zu den Beschwerden des Bewegungsapparates gehören auch Gelenkprobleme, die im Bereich der Schulter, der Hüfte, der Knie, der Sprunggelenke und der Ellenbogen auftreten können, und die ebenfalls mit Tapes „weggeklebt“ werden können.
  • Mit Kinesio-Tapes behandelt werden auch Fehlstellungen der Gelenke, Gelenkverschleiß, geschwollene Gelenke oder auch die Instabilität von Gelenken.
  • Mögliche Anwendungsgebiete für das Taping sind auch Gelenkentzündungen, Gelenkerguss oder ausgerenkte Schultern.
  • Mit Tapes beklebt werden können auch Beschwerden an der Kniescheibe, Meniskusbeschwerden, Schleimbeutelentzündungen in unterschiedlichen Körperregionen und Kapselverletzungen.
  • Das gilt auch für Fehlstellungen der Wirbelsäule, die zu X-Beinen, Senkfüßen, Plattfüßen, Spreizfüßen und zu Hallux Valgus sowie zu Bandscheibenproblemen führen können.
  • Auch bei Sehnenscheidenentzündungen, bei Bänderproblemen, bei einem Tennis- und Golferarm, bei Sehnenreizungen, bei Zerrungen und Rissen an den Sehnen und bei Bänderdehnungen, Zerrungen und Rissen an den Bändern hat sich das Kinesio-Taping bewährt.

Diese Aufzählung ist nicht abschließend, sondern gibt lediglich einen Einblick über die verschiedenen Einsatzbereiche von Kinesio-Tapes, wenn Beschwerden im Bereich des Bewegungsapparates auftreten.

Tapes bei Allgemeinbeschwerden

Auch in der Schmerzbehandlung werden mit Kinesio-Tapes Erfolge erzielt. Das gilt zum Beispiel für die Behandlung des Karpaltunnelsyndroms, für Nervenschmerzen wie Hexenschuss, Ischialgien, Neuralgien oder für neuropathische Schmerzen, die durch eine Funktionsschädigung oder Störung des Nervensystems verursacht werden. Auch bei Kopfschmerzen und bei Migräne werden Kinesio-Tapes verwendet ebenso wie bei rheumatischen und durch Arthrose bedingte Schmerzen, bei Schwindel, Tinnitus und Blasenfunktionsstörungen. Selbst bei Erkältungen, bei einer Bronchitis, bei einer Nasennebenhöhlenentzündung und bei asthmatischen Beschwerden werden Kinesio-Tapes zur Linderung der Beschwerden eingesetzt.

Spezielle Anwendungsformen

Dr. Kenzo Kase, der Erfinder des Kinesio-Tapes, stellte die These auf, dass Taping Spannung abbauen kann, wenn das Tape von seinem Ansatz ausgehend in Richtung seines Ursprungs aufgebracht wird. Soll es hingegen umgekehrt eine aufbauende und anspannende Wirkung erzielen, dann wird das Tape in umgekehrter Richtung aufgebracht. Es gibt einige spezielle Anwendungsformen für das Kinesio-Taping, zu denen zum Beispiel Fächertapes für die Anregung des Lymphflusses sowie das Taping im Bereich der Nerven und Narbentapes gehören.

– Tapen zur Anregung des Lymphflusses

Um den Lymphfluss anzuregen, eignen sich Fächertapes. Das Lymphsystem ist neben dem Blutkreislauf eines der bedeutendsten Systeme im menschlichen Körper, über das unter anderem lebenswichtige Eiweiße und Fette transportiert werden. Das Lymphsystem übernimmt auch wichtige Funktionen beim Schutz des Immunsystems, wenn es um die Abwehr von Fremdstoffen und Krankheitserregern geht. Um einen Lymphstau aufzuheben, können Fächertapes aufgeklebt werden, die mit Basistapes kombiniert werden können. Um den Lymphfluss zu aktivieren, sollte ein Fachmann die Tapes aufbringen, um den Abfluss der Lymphflüssigkeit sicherzustellen und nicht das Gegenteil zu bewirken.

– Taping im Nervenbereich

Es sind vor allem die peripheren Nerven in den Armen und Beinen, die bevorzugt mit Taping behandelt werden können. Das gilt für Ischiasprobleme ebenso wie für das Karpaltunnelsyndrom. Mit Hilfe von Tapes wird versucht, die Gleitfähigkeit zwischen dem betroffenen Nerv und seinen umliegenden Strukturen zu verbessern. Da selten ein Problem vorliegt, das ausschließlich den Nerv betrifft, sondern immer auch die umliegenden Strukturen, werden meist mehrere Tapes aufgebracht und miteinander kombiniert, die sich positiv auf den Nerv sowie auf die umliegende Lymphe und Muskeln auswirken.

– Tapes zur Behandlung von Narben

Narben gehören zum natürlichen Heilungsprozess. Doch nicht immer heilen sie in der gewünschten Weise, was unter anderem abhängig sein kann von der Beschaffenheit der Haut und vom Alter des Patienten. Abgesehen davon können Narben auch erhebliche Probleme verursachen. Es kann zu Verdickungen und Verhärtungen kommen, die das Narbengewebe empfindlich oder gefühllos machen und zu Verfärbungen führen können, die von feuerrot bis ganz hell reichen. Das kann schlimmstenfalls zu Schmerzen sowie bei gelenknahen Narben zu einer Einschränkung der Beweglichkeit führen, ganz abgesehen von der optischen und ästhetischen Beeinträchtigung. Nicht immer ist von außen sichtbar, dass und in welchem Maße Narben Störfelder auslösen. Das gilt insbesondere dann, wenn sich Narben auf Faszienbahnen oder auf Meridianbahnen befinden. Zu Narbenbildung kommt es unter anderem bei der Entfernung des Blinddarms, bei einem Kaiserschnitt und bei der Entfernung der Mandeln. Sofern die Narben äußerlich sichtbar und erreichbar sind, ist eine Behandlung mit Kinesio-Tapes möglich.

Bei der Narbenbehandlung mit Kinesio-Tapes geht es darum, die Gewebespannung zu verringern und die Elastizität der Haut wieder herzustellen. Sofern es sich um kleine Narben handelt, werden diese mit Crosstapes behandelt. Bei größeren Narben werden gitterförmig zugeschnittene I-Tapes oder auch Y-Tapes verwendet, während oberflächliche Narben mit einem Fächertape behandelt werden.

Taping und seine Wirkungsweise

Die große Bandbreite der Einsatzgebiete von Kinesio-Tapes basiert auf der unterschiedlichen Wirkungsweise, die bedingt ist durch die Farben und Formen, die verschiedenen Arten des Aufbringens sowie ihren Kombinationsmöglichkeiten. Lymph- und Blutbahnen, Organe, Muskeln, Sehnen, Bänder und Gelenke sprechen auf die Behandlung mit Kinesio-Tapes an.

Die Wirkung auf die Organe

Nicht immer liegen die Ursachen zum Beispiel von Schmerzen da, wo sie spürbar sind. Manchmal gibt es Verbindungen zu inneren Organen, die nicht ohne weiteres als solche zu erkennen sind. Die Rede ist von den sogenannten Head´schen Zonen, die nach ihrem Entdecker benannt sind, dem englischen Neurologen und Forscher Sir Henry Head (1861-1940). Die Head´schen Zonen sind Hautzonen, die über das zugehörige Rückenmarkssegment Querverbindungen zu inneren Organen aufweisen. Ist ein der Head´schen Zone zugehöriges Organ belastet oder erkrankt, kann es in der zugeordneten Hautzone Schmerzen verursachen. Diese Gesetzmäßigkeit macht man sich beim Tapen zunutze und behandelt die Hautzone, die das jeweilige innere Organ repräsentiert, um indirekt auf das Organ einzuwirken.

Unterstützung der Gelenke

Tapes stützen nicht nur die Gelenke, sondern auch das umliegende Bindegewebe sowie Bänder und Sehnen. Bei Sehnenverletzungen kann Tapen Verklebungen von Sehnen reduzieren ebenso wie Wucherungen von Narbengewebe. Auf diese Weise wird der Heilungsprozess unterstützt und die ursprüngliche Funktionsweise wiederhergestellt. Gleichzeitig regen Kinesio-Tapes die Produktion von Kollagen an, das ein wichtiger Bestandteil der Haut, des Bindegewebes, der Knochen, Bänder und Knorpel ist. Es ist vor allem der Knorpel, der die Flexibilität von Knochen sicherstellt sowie Sehnen und Bänder vor Einrissen schützt. Da mit Kinesio-Tapes die Beweglichkeit erhalten bleibt, wird trotz des „Verbandes“ die Bildung von Gelenkflüssigkeit sowie die Knorpelernährung und der Gelenkstoffwechsel aktiviert.

Wirkungsweise bei Schmerzen

Schmerzen sind Begleiterscheinungen von Entzündungen, Verletzungen, Gelenkbeschwerden und sonstigen Erkrankungen. Sie müssen nicht zwingend eine Begleiterscheinung einer anderen Erkrankung sein, sondern können ohne erkennbare Ursache auch als eigenständiges Krankheitsbild auftreten. Beispiele sind Stöße oder Stürze, falsche Bewegungen, Gewalteinwirkung, Überbeanspruchung oder Überdehnung. Die Wahrnehmung von Schmerzen funktioniert über die Reizung von Schmerzrezeptoren, die die Reize über die Nerven an das zentrale Nervensystem weiter leiten. Es wird differenziert zwischen chronischen Schmerzen, die länger als drei Monate andauern, und einem akut auftretenden Schmerz, der nach Beseitigung der eigentlichen Ursache wieder verschwindet. Abhängig von der Art des Schmerzes werden unterschiedliche Tapes eingesetzt. Um Schmerzen zu reduzieren, werden Tapes maximal gedehnt aufgeklebt. Die Schmerzweiterleitung wird gehemmt, und die Intensität der Schmerzwahrnehmung nimmt ab. Tapes, die die Durchblutung, den Lymphfluss und den Stoffwechsel anregen, tragen zum Abbau von entzündungsfördernden Stoffen und von Schmerzhormonen bei, wodurch der Schmerz ebenfalls abgeschwächt wird.

Die Wirkung von Tapes auf die Muskeln

Taping kann unterschiedliche Wirkungen auf die Muskeln entfalten. Mit Kinesio-Tapes lässt sich die Muskelspannung regulieren. Ob Muskeln entspannt oder angespannt werden sollen, ist abhängig von der Beschaffenheit des Tapes, von seiner Farbe und davon, ob es mit maximaler Spannung auf der Haut aufgebracht wird. Tapes verbessern darüber hinaus die Durchblutung, führen die Muskulatur in den Normaltonus zurück und ermöglichen eine maximale Kraftentfaltung. Sie helfen außerdem, Muskelkater abzubauen. Eine Folge von andauernden Muskelschmerzen kann eine Schonhaltung sein. Die Schonhaltung soll durch Verspannungen oder Verletzungen beeinträchtigte Muskelpartien schonen, führt jedoch zu einer Destabilisierung der Muskelpartien und zu einer Überlastung an anderen Stellen. Kinesio-Tapes helfen, diesen Kreislauf zu durchbrechen und die Schonhaltung zugunsten einer normalen Körperhaltung wieder aufzugeben. Mit Taping lassen sich also auch Ungleichgewichte wieder ins Lot bringen. Das gilt auch für verkürzte oder überdehnte Muskelpartien. Mit Hilfe des Taping können diese Muskelgruppen in ihre ursprüngliche Form zurückgeführt werden, sodass sie gleich stark und gleich elastisch sind. Grund ist, dass durch Kinesio-Tapes Spannung im Muskel gezielt ab- oder aufgebaut werden kann.

Die präventive Wirkung von Taping

Insbesondere im Sport werden Kinesio-Tapes aufgrund ihrer stabilisierenden und durchblutungsfördernden Wirkung zur Prävention eingesetzt. Mit Taping wird Verletzungen des Muskel-, Sehnen und Bewegungsapparates vorgebeugt, was gleichermaßen für Überlastungen, Reizungen und Entzündungen gilt. Bei starker körperlicher Beanspruchung werden Muskeln vor Überlastung geschützt und Übermüdung hinausgezögert. Bei Marathonläufen kann die Neigung zu Verspannungen und Krämpfen reduziert und Überkontraktionen der Muskeln verhindert werden. Dazu werden die Kinesio-Tapes nur für die Dauer der sportlichen Aktivitäten angelegt.

Die Rehabilitation mit Kinesio-Tapes

Insbesondere durch Operationen, Unfälle und andere Verletzungen können Muskeln geschwächt werden, weil sie über einen längeren Zeitraum ruhig gestellt waren. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, werden Kinesio-Tapes in die Behandlung integriert. Sie regulieren die Muskelspannung, die den Abbau der Muskulatur verhindert. Die Durchblutung wird verbessert und der Lymphfluss aktiviert. Das gilt auch für die Heilung von vernarbten Wunden, wobei Kinesio-Tapes nicht auf offene Wunden aufgebracht werden dürfen.

Taping auch bei Tieren?

Kinesiologisches Taping ist auch bei Tieren möglich. Das gilt für das Pferde-Taping ebenso wie für das Hunde-Taping und für das Tapen landwirtschaftlicher Nutztiere. Eines haben diese Tiere gemeinsam: Ihr Fell ist kurz, sodass es beim Tapen nicht gekürzt werden muss.

  • Bei Pferden wird Taping erfolgreich eingesetzt, um das Gangbild und Fesselträgerschäden zu verbessern. Auch bei Schwellungen der Gliedmaßen, bei Schmerzpunkten und zur Behandlung von Narben wird Taping bei Pferden erfolgreich praktiziert.
  • Auch Hunde werden getapt. Auch bei Hunden sind die Anwendungsgebiete zahlreich. Taping reicht hier von der Behandlung von gestörtem Lymphfluss und Ödeme über Rückenproblematiken bis zu Beschwerden der Achillessehne und der Hüftdysplasie. Auch bei chronischen Erkrankungen hat sich das Tapen von Hunden bewährt.
  • Dem Einsatz von Tapes stehen Landwirte und Agrarbetriebe positiv gegenüber. Das liegt einerseits an der erfolgreichen Wirkung, aber auch an den bezahlbaren Kosten, die im Rahmen der Unternehmensführung durchaus relevant sind. Rinder und auch Ziegen werden aufgrund ihres kurzen Fells mit kinesiologischen Tapes versorgt. Zu den Einsatzgebieten von Tapes zählen im Veterinärbereich insbesondere Problematiken der Muskulatur, der Bänder und der Sehnen.
  • Diese neuen Erkenntnisse sind es, die die Veterinärmedizin stärker in die Pflicht nehmen und eine Reduzierung von der oft übermäßigen Verabreichung von Medikamenten möglich machen.

Tapen lassen oder selbst tapen?

Taping kann nur dann seine volle Wirkung entfalten, wenn ein Tape fachmännisch aufgebracht wird. Dafür gibt es zahlreiche Fachleute, die diese Behandlungsmethode kennen und in der Ausübung erfahren sind. Das gilt für Krankengymnasten ebenso wie für Physiotherapeuten, Sportmediziner, Ergotherapeuten, möglicherweise auch Ärzte und Heilpraktiker. Da heißt es für Sie, Augen und Ohren offen halten, um einen Therapeuten ausfindig zu machen, der über Taping-Kenntnisse verfügt.

Warum es sinnvoll ist, das Taping von Fachpersonal vornehmen zu lassen – die Vorteile:

  • Fachleute haben die erforderlichen anatomischen Kenntnisse, um exakt die Stellen zu finden, auf die ein Tape aufgeklebt wird, um die gewünschte Wirkung zu entfalten.
  • Bevor ein Tape aufgebracht wird, ist es wichtig, die Ursache für die Beschwerden ausfindig zu machen. Dazu ist nur ein Fachmann in der Lage.
  • Bereits beim Anlegen eines Tapes kommt es auf die Körperhaltung an. Tapes müssen exakt angebracht werden, wozu es einer korrekten Körperhaltung und der passenden Zugwirkung des Tapes bedarf.
  • Um den Erfolg der Behandlung zu veranschaulichen und zu dokumentieren, können Screenings und Muskeltests durchgeführt werden.
  • Taping kann auch in Kombination mit anderen Behandlungsmethoden zum gewünschten Erfolg führen, die nacheinander erfolgen. Das gilt für Massagen, für Krankengymnastik und für die Elektrotherapie, um einige Beispiele zu nennen.

Obwohl mit Taping gute Behandlungserfolge erzielt werden können, werden die Kosten nur im Rahmen von Ausnahmen und Einzelfallentscheidungen von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen. Allerdings wird es den einen oder anderen Fachmann geben, der im Rahmen einer von der gesetzlichen Krankenkasse verschriebenen Behandlung gegen einen kleinen Aufpreis auch Tapes anlegt. Die Behandlungskosten können auch dadurch gesenkt werden, dass Sie das Tape mitbringen.

Ansonsten müssen Sie die Kosten für das Taping selbst tragen, die sich in einem überschaubaren Rahmen bewegen und auf jeden Fall im unteren zweistelligen Bereich liegen. Das wird den einen oder anderen Patienten dazu veranlassen, über eine Selbstbehandlung nachzudenken. Dann sollten Sie sich die entsprechenden Informationen besorgen. Taping zieht mittlerweile weite Kreise, sodass es zahlreiche Kurse gibt, in denen Sie Tapen lernen können.

Es sind nicht nur Sportler, die auf Taping als unterstützende oder auch vorbeugende Maßnahme schwören. Doch es gibt auch Zweifler, die das Taping und seine Wirkung anzweifeln und einen Placebo-Effekt vermuten. Tatsächlich fehlen Langzeitstudien und wissenschaftliche Untersuchungen, die die Wirksamkeit von Kinesio-Tapes eindeutig belegen. Nur vereinzelt wurde bislang nachgewiesen, dass zum Beispiel Schmerzen schneller reduziert wurden, dass sich Muskelverspannungen mit Kinesio-Tapes auflösen und dass der Transport von Körperflüssigkeiten wie Blut oder Lymphe intensiviert wird. Viel entscheidender als der wissenschaftliche Nachweis ist die praktische Umsetzung. Es ist gängige Praxis, dass Kinesio-Tapes von Physiotherapeuten, von Ergotherapeuten, von Sportmedizinern, Osteopathen, Orthopäden, von Allgemeinmedizinern, Hebammen, Heilpraktikern und von anderem Fachpersonal und sogar in Rehazentren verwendet werden. Ohnehin ist gegen einen zeitlich begrenzten Einsatz nichts einzuwenden, zumal die bunten Tapes dem Anwender auch im psychischen Bereich eine gewisse Sicherheit und verleihen.